Mario Facchinetti: Mit KI gegen Fachkräftemangel
5 Fragen an Mario Facchinetti
Der Unternehmer und Leiter des Studiengangs Real Estate Management HWZ, Major Digital & AI tritt bei der Makler-Convention 2025 als Referent auf.
- Wie bringen Immobilienmaklerinnen und -makler ihr People‘s Business mit der digitalen Transformation zusammen? Durch Evolution oder Revolution?
Es braucht kontinuierliche Evolution, damit etablierte Immobilienmaklerinnen und -makler ihr People Business mit der digitalen Welt verbinden können. Dabei sollten sie sich vom Handwerker zum Maschinisten wandeln, damit sie ihre Tätigkeiten und fachliche Expertise gezielt mit digitalen Hilfsmitteln unterstützen können. Die grosse Herausforderung besteht darin, neben dem Tagesgeschäft die Kompetenzen und Fähigkeiten zu erlernen, damit Mensch und Maschine harmonisch zusammenarbeiten und der Mehrwert der digitalen Transformation optimal genutzt werden kann.
- Was verlangt „digitale Kompetenz“ von Immobilienmaklerinnen und -makler im Jahr 2025?
Aus meiner Sicht ist die wichtigste Kompetenz von Immobilienmaklerinnen und -maklern, um mit den digitalen Entwicklungen Schritt zu halten, Offenheit und Neugier gegenüber Neuem – sowie die Bereitschaft, Neues zu verstehen und dazuzulernen. Nur so kann bewusst entschieden werden, ob und wie man eine Neuerung nutzen möchte. Dies dem Zufall zu überlassen oder die Auseinandersetzung mit neuen Themen aufzuschieben, halte ich für risikoreich – insbesondere, wenn man sich an mittel- bis langfristigen Zielen orientiert.
- Künstliche Intelligenz, also KI, ist in aller Munde. Wie kann KI den Maklerinnen und Maklern über das Schreiben von E-Mails und Website-Texten hinaus weiterhelfen?
Wenn wir bei praxisnahen Beispielen aus dem Berufsalltag von Immobilienmaklerinnen und -maklern bleiben und vom Schreiben sowie Übersetzen von Texten ausgehen, kann generative KI in vielfältiger Weise unterstützen: etwa bei der Kundeninteraktion, der Vorbereitung von Kunden- und Teammeetings, der Erstellung von Marketingmaterialien wie Bilder, Videos oder Audio-Elementen, der Digitalisierung von Notizen, Plan- und Objektdaten sowie bei der Analyse, Zusammenfassung, Bewertung und Interpretation von Informationen – zum Beispiel von Marketingkennzahlen oder Objektdaten. Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie generische KI zu mehr Effizienz und Kundennutzen führen kann.
- Wird KI das Problem des Fachkräftemangels in der Immobilienvermarktung lösen?
Ich bin überzeugt, dass KI in der Immobilienvermarktung zu einer stärkeren Standardisierung führen wird. Dadurch wird es künftig möglich sein, qualifizierte Aufgaben auch mit weniger qualifiziertem Personal auszuführen. In diesem Zusammenhang gehe ich davon aus, dass KI einen wichtigen Beitrag dazu leisten kann, den Fachkräftemangel zu entschärfen.
- Ihr Ratschlag: Wieviel Prozent des Umsatzes sollten Immobilienmaklerinnen und -makler jährlich in die Digitalisierung investieren?
Gemäss einer Recherche mit dem für wissenschaftliche Zwecke optimierten KI-Tool Perplexity sollten Unternehmen jährlich rund 3 bis 7 Prozent ihres Jahresumsatzes in Innovation und Digitalisierung investieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Grössenordnung halte ich für sinnvoll – vorausgesetzt, die Mittel werden gezielt in den Erfahrungsaufbau sowie in Massnahmen investiert, die nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch einen deutlichen Mehrwert für Kundinnen und Kunden schaffen.
